Spielfilm: Themba – Das Spiel seines Lebens

 

Spielfilm: Themba – Das Spiel seines Lebens

Am Abschluss des ersten Tages der Afrika-Tagung (Freitag, 4.11.) steht um 18.00 Uhr die öffentliche Filmvorführung von Themba – Das Spiel seines Lebens. Gezeigt wird der preisgekrönte Spielfilm, bei dem es sich um eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Lutz van Dijk handelt, im Siegener KrönchenCenter. Der Eintritt ist frei.

„Im Mittelpunkt der berührenden Mischung aus Coming-of-Age, Sportfilm und Sozialdrama aus der Post-Apartheid-Ära Südafrikas steht die packende Geschichte von Themba, eines HIV-infizierten Jungen, für den die knallharte Fußballwelt den einzigen Ausweg bietet, seinem Elend zu entkommen. Ein authentisch engagiertes und aufrüttelndes Fußballmärchen.“ (programmkino.de)

Buchautor Lutz van Dijk kann bei der Filmvorführung am 4.11. nicht dabei sein. Wer ihn in Siegen erleben möchte, hat dazu am 2. und am 5. November im KrönchenCenter Gelegenheit. Am 2.11. um 18.00 Uhr eröffnet Lutz van Dijk die Ausstellung „African Kids“ und präsentiert sein gleichnamiges Buch. Die Veranstaltung ist öffentlich und eintrittsfrei.

Am 5.11. hält Lutz van Dijk im Rahmen der Afrika-Tagung einen Vortrag über das Leben von Kindern und Jugendlichen in Südafrika. Wer daran teilnehmen möchte, wird gebeten, sich per eMail nolzpopp@web.de anzumelden.

 

Kinder in Afrika – 10. Siegener Afrika-Tagung

Kinder in Afrika – 10. Siegener Afrika-Tagung
Die diesjährige Siegener Afrika-Tagung (4./5.11.) widmet sich den Kindern in Afrika, ihren Problemen und Chancen.
Das Team um Prof. Dr. Wolfgang Popp vom Forschungs- und Lehrgebiet Friedenserziehung der Universität Siegen hat ein interessantes Programm aus Vorträgen und Filmen zusammengestellt. Es geht um Bildung und Kinderarbeit, um Straßenkinder und Kindersoldaten und um Kinderrechte.
Einen besonderen Höhepunkt bildet die Diskussion am Samstag über „Kinder und Aids“ mit Lutz van Dijk aus Südafrika. Er ist Mitbegründer von HOKISA – Homes for Kids in South-Africa.
Die Tagung wendet sich vornehmlich an Studierende, an LehrerInnen und SozialpädagogInnen sowie an Engagierte in der Flüchtlingsarbeit. Darüber hinaus sind alle eingeladen, die sich für das Leben der Kinder auf dem afrikanischen Kontinent interessieren und Informationen aus erster Hand erhalten möchten.
Die Teilnahme ist kostenlos. Um Anmeldung wird gebeten unter 0271-20596 oder nolzpopp@web.de. Dort kann auch der Programmflyer angefordert werden.

Erasmus Schöfer – Urgestein der Literatur der Arbeitswelt – am 30.10.2016 vorgestellt im Literaturcafé

 

Erasmus Schöfer – ein Urgestein der Literatur der Arbeitswelt

Im Literaturcafé des ZFK werden Erasmus Schöfer (Jg. 1931), Mitgründer des gewerkschaftlichen “Arbeitskreises Literatur der Arbeitswelt”, und sein Lebenswerk vorgestellt.

Schöfers Literaturcafé findet am Sonntag, 30. Oktober 2016 um 15.00 Uhr im Zentrum für Friedenskultur (ZFK), Kölner Str. 11, Siegen-Oberstadt statt.

Als Referentin – und auch das ist schon eine kleine Sensation für den Literatur Nachmittag – konnte Marianne Walz gewonnen werden. Sie ist die Gründerin und Vorsitzende des “Freundesvereins Erasmus Schöfer”. Sie sieht einen wesentlichen Grund für die Vernachlässigung des Autors in der öffentlichen Aufmerksamkeit darin, dass im “gegenwärtigen Wirtschaftssystem die Priorität beim merkantilen Gewinn” liegt. Die künstlerischen und sozialen Aspekte, durch die Schöfers Werk erst hervorgebracht werden konnte, werden missachtet.

Mit Spannung kann deshalb erwartet werden, welchen Blick die Referentin, die in der DDR aufgewachsen ist, auf das Werk des westdeutschen Autors Erasmus Schöfer, der westdeutsche Zustände beschreibt, eröffnet.

In seinem vierbändigen Romanwerk Die Kinder des Sisyfos beschreibt Erasmus Schöfer, der in diesem Jahr 85 Jahre alt geworden ist, detailversessen die sozialen Bewegungen in der BRD, vom (vergeblichen) Widerstand gegen die Notstandsgesetze über den (erfolgreichen) Widerstand gegen das Atomkraftwerk in Whyl im Jahr 1968 bis zum Widerstand gegen die Startbahn West und dem Ende des “Realsozialismus” Ende 1989.

Seine Hauptfiguren bewegen sich glaubwürdig mit ihren privaten und politischen Wünschen und Vorstellungen in diesem Auf und Ab von Gesellschaftsveränderungen zwischen Enttäuschungen und Zukunftshoffnung – wie wir alle.

 

Friedensdemo “Die Waffen nieder!” am 8.10. in Berlin

 

Aufruf zur Friedensdemo am 8.10. in Berlin

Liebe Friedensfreundinnen und -freunde,

wir rufen euch zur Teilnahme an der Friedensdemo “Die Waffen nieder!” auf. Der Titel stammt von Bertha von Suttner, die mit ihrem gleichnamigen Roman die Menschen für den Frieden begeistern, aber die verantwortlichen Politiker nicht vom 1. Weltkrieg abhalten konnte. Heute muss uns das gelingen! Kommt zur Demo nach Berlin und unterstützt unsere Friedensarbeit im Siegener Zentrum für Friedenskultur.

Infos: www.friedensdemo.org

Wolfgang Popp und Bernhard Nolz

Zur Teilnahme an der Friedensdemo „Die Waffen nieder!“ am 8. Oktober in Berlin rufen das Siegener Zentrum für Friedenskultur (ZFK) und die Siegener Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF) auf. PPF gehört zu den Erstunterstützern des Aufrufs, in dem es u.a. heißt:

„Die Waffen nieder! Kooperation statt NATO-Konfrontation. Abrüstung statt Sozialabbau. Die aktuellen Kriege und die militärische Konfrontation gegen Russland treiben uns auf die Straße. Deutschland befindet sich im Krieg fast überall auf der Welt. Die Bundesregierung betreibt eine Politik der drastischen Aufrüstung. Deutsche Konzerne exportieren Waffen in alle Welt. Das Geschäft mit dem Tod blüht. Dieser Politik leisten wir Widerstand. Die Menschen in unserem Land wollen keine Kriege und Aufrüstung – sie wollen Frieden. Die Politik muss dem Rechnung tragen.“

PPF-Sprecher und Friedenspreisträger Bernhard Nolz: „Krieg ist Terror. Er bringt millionenfachen Tod, Verwüstung und Chaos. Millionen von Kriegsflüchtlingen brauchen unsere Unterstützung. Der Krieg muss gestoppt werden, damit sie in ihre Heimat zurückkehren und sich am Wiederaufbau beteiligen können. Um der Kinder willen fordern wir alle Kriegsbeteiligten zum sofortigen Frieden auf.“ Information: www.friedensdemo.org

PS: Literaturcafé am Sonntag Nachmittag, 25. September 2016, 15.00 Uhr. Wolfgang Popp stellt den Skandalschriftsteller Hans Henny Jahnn vor.

 

Literaturcafé am 25.09.2016 – Hans Henny Jahnn – ein politischer Skandalautor

 

Literaturcafé am 25.09.2016 – Programmänderung

Hans Henny Jahnn – ein politischer Skandalautor

In Abänderung des Programms stellt Prof. Dr. Wolfgang Popp am 25. September 2016 um 15.00 Uhr seinen Lieblingsautor Hans Henny Jahnn vor. Die Lesung findet im Zentrum für Friedenskultur (ZFK), Kölner Str. 11, Siegen-Oberstadt statt.

Unter dem Motto „Es ist, wie es ist, und es ist fürchterlich“ wird der weithin unbekannte Schriftsteller Hans Henny Jahnn (1894 – 1959) vorgestellt.

Hans Henny Jahnn zählt in der Literaturgeschichte zu dem “produktivsten deutschen Außenseitern des 20. Jahrhunderts”. Als solcher tat er sich vor allem durch seine Romane hervor, die gekennzeichnet sind durch die Thematisierung von Sexualität und Gewalt. Dabei spielen durchweg skandalöse Männerfreundschaften eine dominante Rolle. Kulturpolitisch war er aktiv bei der Gründung der deutschen Abteilung des internationalen PEN-Clubs, in den 20-er Jahren Präsident des Kartells Hamburger Künstlerverbände und nach 1950 Mitbegründer und Präsident der Freien Akademie der Künste Hamburg. Seine Werke wurden von den Nazis verboten, er emigrierte auf die dänische Insel Bornholm. Nach dem Krieg engagierte er sich in der Bewegung gegen die Atomrüstung und Atomwirtschaft. Sowohl in der literarischen Welt wie in den Medien wurde er ebenso verteufelt wie hoch gelobt.

Zentrum für Friedenskultur (ZFK), 0271-20596

 

Lesung – 9/11twenty16 – Von der Suche nach einem verschollenen Film

Literatur Extra Lesung

Sonntag 11. September 2016 15.00 Uhr

Zentrum für Friedenskultur (ZFK) Kölner Str. 11 Siegen-Oberstadt

9/11twenty16

Bernhard Nolz liest aus seiner Erzählung 9/11twenty16. Von der Suche nach einem verschollenen Film.

Die Anschläge von New York am 11.09.2001 haben auch in Siegen Spuren hinterlassen. Ein Dokumentarfilm über die damaligen Ereignisse gilt als verschollen. Bernhard Nolz hat die Filmhandlung rekonstruiert und in eine erfundene Rahmenhandlung eingebettet.

Zu den handelnden Personen gehören u.a. ein Lehrer, ein Student, ein Schüler, ein Bundestagsabgeordneter, ein Bundeskanzler, ein Rechtsanwalt, ein Professor und eine Pfarrerin.

Was war eigentlich los in Siegen nach dem 11. September 2001? Was wird heute von damals erzählt und was verschwiegen? Was zeigt der verschollene Film, den der Autor zu rekonstruieren versucht? Was hat die Spurensuche 2001 und 2016 ergeben?

Wer kann weiterhelfen bei der Suche nach der Wahrheit und der Annäherung an die Wirklichkeit?

 

Bernhard Nolz verlässt Die Linke

 

Bernhard Nolz verlässt Die Linke

„Der Antikriegstag (1. Sept.) erscheint mir als das richtige Datum, öffentlich bekannt zu geben, dass ich nach über 10-jähriger Mitgliedschaft aus der Partei Die Linke ausgetreten bin.

Der Hauptgrund ist darin zu sehen, dass der Kreisvorstand Die Linke Siegen-Wittgenstein seit Jahren einen Kleinkrieg gegen das Zentrum für Friedenskultur (ZFK) und gegen die Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF) führt, deren Bundessprecher ich bin.

Statt gemeinsam mit uns für Gewaltlosigkeit und für die Solidarität der Völker einzutreten, orientiert sich der Kreisvorstand an den Gewalt-bereiten Antideutschen. Die sind eine sektiererische Minderheit innerhalb der Partei Die Linke, die alle verteufelt, die Kritik am Kapitalismus und an seinen Vernichtungskriegen äußern.

Ich will auch nicht länger darüber schweigen, wie intolerant und diskriminierend sich Mitglieder des Kreisvorstands Die Linke Siegen-Wittgenstein mir und anderen Parteimitgliedern gegenüber verhalten haben. Dazu gehörte auch der Versuch, mich aus der Stadtratsfraktion Die Linke raus zu mobben. Selbst als das Verwaltungsgericht Arnsberg dem ein Ende gesetzt hatte, gelang es dem Fraktionsvorstand nicht, die Regeln der Rechtsstaatlichkeit anzuerkennen. Die Hetze gegen Andersdenkende in Partei und Fraktion wurde weiter betrieben. Es bleibt zu hoffen, dass die Partei Die Linke Siegen-Wittgenstein zum gegenseitigen Respekt und zum Frieden zurückfindet.“

Am Antikriegstag 2016 nimmt Bernhard Nolz an der Verleihung des diesjährigen Aachener Friedenspreises teil, der ihm 2002 verliehen wurde. Die diesjährigen Preisträger sind die Initiative Freie Heide und die türkischen Wissenschaftler, die sich schon vor dem Putsch für Demokratie und Menschenrechte in der Türkei eingesetzt haben.

 

Literaturcafé am Sonntag, 28. August 2016

 

Literaturcafé am Sonntag Nachmittag im ZFK

Abgründiger Humor und kritischer Widerstand: Irmtraut Morgner

Die Veranstaltungsreihe „Literaturcafé“ wird am 28. August 2016 um 15.00 Uhr mit der Vorstellung der Schriftstellerin Irmtraut Morgner fortgeführt. Olaf n. Schwanke stellt Irmtraut Morgner (1933 – 1990) vor, unter dem Motto „Humor als aktiver Widerstand gegen die Bedrohung“.

Abgründiger Humor und kritischer Widerstand gegen alles scheinbar Selbstverständliche waren in der Tat Kennzeichen der Literatur der eingefleischten DDR-Autorin Irmtraut Morgner. In Chemnitz in proletarischen Verhältnissen aufgewachsenen, musste sie sich den Zugang zur Literatur gegen viele Widerstände erkämpfen. An der Universität Leipzig studierte sie bei Hans Mayer und Ernst Bloch. Ihre epochalen Werke „Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura” (1975) und „Amanda. Ein Hexenroman” (1983) machten den Geschlechterkonflikt und die uneingelöste Gleichberechtigung der Frau in der DDR zum Thema. Sie wurden wegweisend für die darauf folgende vielfältige Weiterbearbeitung des Themas bei Schriftstellerinnen in der DDR wie in der BRD. Sie starb, einigermaßen verzweifelt an den Verirrungen der Frauenemanzipation ebenso wie am scheiternden Sozialismus, dessen Zusammenbruch sie nicht mehr erlebte.

Weitere Termine und AutorInnen des Literaturcafés 2016

25.09.2016: Hans Henny Jahnn

30.10.2016: Erasmus Schöfer

27.11.2016: Günther Anders

18.12.2016: Johan Galtung

Auskunft erteilt: Prof. Dr. Wolfgang Popp, 0271-20596

nolzpopp@web.de

www.friedenspaedagogen.de

 

Atomwaffenfrei – jetzt!

 

Atomwaffenfrei – jetzt!

Zum Hiroshima-Tag (6. August) zeigt sich das Siegener Zentrum für Friedenskultur (ZFK) besorgt über die begonnene Modernisierung der Atomwaffen, die in Büchel (Eifel) stationiert sind. Ihre bloße Existenz bedroht auch das Siegerland. NATO-Politiker denken über einen Einsatz gegen Russland nach. Er würde aus Europa ein unbewohnbares Wüstland machen. Tausend Mal Hiroshima und Nagasaki zusammen! Die Atombombenabwürfe im August 1945 töteten 100.000 Menschen sofort, bis zu einer halben Million Japaner starben an den Folgen der atomaren Verseuchung.

Im Gedenken an die Opfer und in Verantwortung für eine friedliche Zukunft unterstützt das ZFK die Forderung nach weltweiter Ächtung der Atomwaffen. Die Bundesregierung wird aufgefordert, auf die nukleare Teilhabe Deutschlands zu verzichten, was auch von einer großen Mehrheit der Bevölkerung verlangt wird“, erklärt Bernhard Nolz, Aachener Friedenspreisträger und Geschäftsführer des ZFK.

Zu atomaren Abrüstung gehört aber auch die sofortige Stilllegung aller Atomreaktoren in Europa. Die meistens sind gegen terroristische Angriffe ungeschützt. Es ist nicht auszudenken, welche verheerenden Folgen solche Aktionen auch für uns haben würden.

Zentrum für Friedenskultur (ZFK), 0271-20596, info@zfk-siegen.net, www.friedenspaedagogen.de

 

Schwulenfeindlichkeit im Alter

 

Wolfgang Popp

Schwulenfeindlichkeit im Alter

Da hat man ein halbes Leben lang für die Gleichstellung von schwulen Männern und lesbischen Frauen und von Menschen mit anderer Sexualität in unserer Gesellschaft gekämpft und glaubt wenigstens ein Stück an sexueller Freiheit und Selbstbestimmung erreicht zu haben, – und muss im Jahr 2016 erleben, dass Tausende auf die Straße gehen, um dagegen zu protestieren. Über 16.000 Menschen unterstützen eine Petition, in der sie es ablehnen, dass im Sexualkundeunterricht der Schulen auch über Homo- und Transsexualität aufgeklärt und gesprochen wird. Das untergrabe „in untragbarer Weise das grundgesetzlich garantierte Erziehungsrecht der Eltern und leistet der Verunsicherung und Indoktrination unserer Kinder Vorschub.“

Wieso eigentlich? Die Schulgesetze aller Bundesländer schreiben doch verbindlich vor, dass bei Entscheidungen über bestimmte Inhalte des Sexualkundeunterrichts an einer Schule die Eltern zu beteiligen sind, über Notwendigkeit, Sinn und Herangehensweise aufgeklärt und ihre möglichen Einwände berücksichtigt werden sollen. Und wieso leistet die Thematisierung von Homo- und Transsexualität der „Verunsicherung und Indoktrinierung“ der Kinder Vorschub? Homosexuelle oder transsexuelle Kinder wissen schon früh, vor jeder sexuellen Praxis, im Unterbewusstsein von ihrer sexuellen Ausprägung und werden verunsichert, wenn sie nicht erfahren, was dies bedeutet oder dass es gar verachtet wird. Und sie fühlen sich indoktriniert durch eine Erziehung, sei es durch ihre Eltern oder die Schule, die ihnen Wissen darüber verwehrt.

Und wer sind überhaupt „unsere Kinder“? Unser Besitz, Eigentum? Gehört es zum „Erziehungsrecht“ von Eltern, zu entscheiden, in welche Richtung sich ihr Kind sexuell entwickelt? Wie sollen sie sich nach Meinung der Eiferer verhalten, wenn sich heraus stellt, dass ihr Kind homosexuell oder transsexuell ist? Was ist mit Kindern schwuler oder lesbischer Eltern? Wenn sie sich als heterosexuell entwickeln, was immer noch das Wahrscheinlichste ist, oder als schwul oder lesbisch oder transsexuell? Sind das alles „unsere Kinder“, für die „wir“ das Elternrecht in Anspruch nehmen dürfen? Und was ist überhaupt mit den Rechten des Kindes, zu denen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung gehört? Alles Fragen, die die Eiferer für das Erziehungsrecht der Eltern über den Haufen werfen. Sie gehen auf die Straße mit dumpfen Parolen wie „Ehe bleibt Ehe! Stoppt die Gender-Agenda und die Sexualisierung unserer Kinder!“ (Stuttgart 2015) oder „Stoppt Gender und Sexualpädagogik der ‘Vielfalt’ in Bayerns Schulen!“ (München 2016) und wollen die mühsam genug erkämpften Fortschritte in der bundesdeutschen Gesetzgebung und Rechtsprechung rückgängig machen.

Ich weiß nicht, ob die Homo-Ehe ein erstrebenswertes Ziel des Kampfes um Gleichstellung ist. Für mich hat sie einen zu bitteren Geruch von patriarchalisch-christlicher Macho-Gesellschaft, in der das Machtdenken der Männer sich immer noch und immer wieder durchsetzt. Mir würde eigentlich eine Partnerschaft, ob „eingetragen“ oder nicht, genügen, wenn die Partner alle bürgerlichen Rechte hätten wie jeder Mann und jede Frau, auch ein richtig verstandenes Erziehungsrecht. Und ich bin sicher, dass es unserer Gesellschaft gut täte, wenn mehr sensible Schwule und Lesben ihren Kinderwunsch realisieren könnten, sei es als Paar oder als Alleinerziehende, sei es mit eigenen Kindern oder mit adoptierten. Sie würden vielleicht mit mehr Achtung vor den Rechten und der Entwicklung ihrer Kinder das Erziehungsrecht wahrnehmen, als diejenigen, die jetzt „unsere“ Kinder davor schützen wollen, in einem verantwortungsvollem schulischen Sexualkundeunterricht ihrem Alter angemessen über das Phänomen der menschlichen Sexualität und ihrer verschiedenen Ausprägungen aufgeklärt zu werden und unbefangen auch untereinander darüber sprechen zu können.

Schon in der Grundschule sind „schwul“ und „lesbisch“ weit verbreitete Schimpf- oder Spottwörter, selbst wenn die, die sie benutzen, noch gar keine Ahnung von ihrer Bedeutung haben. Aber sie wissen im frühen Alter, dass man mit diesen Wörtern andere schlecht machen, beleidigen und kränken kann, sie lernen schon früh, andere zu verachten und werden das in der Jugend und im Erwachsenenleben fortsetzen. Neuere Studien weisen nach, dass Schwulenfeindlichkeit trotz aller Gleichstellung und offizieller Toleranz noch immer in unserer Gesellschaft fest verankert und alltäglich ist. So stellte die Deutsche Aidshilfe kürzlich in einer Umfrage unter Schwulen fest, dass 15% der Befragten angaben, im letzten Jahr vor der Befragung verbale oder körperliche Gewalt erfahren zu haben, bei den 16- bis 19-Jähigen waren es sogar erschreckende 37%. Die heute Kinder vor Sexualisierung schützen wollen, indem sie sie dumm halten, züchten genau diese Gewalt, und das nachhaltig.

Die Demo in München wurde kurzfristig abgesagt, angeblich wegen der kürzlichen Attentate. Tatsächlich aber hatte sich bayernweit ein breites Bündnis gebildet, das unter dem Motto „Vielfalt statt Einfalt“ zum Widerstand aufrief. Das kann uns ermutigen und wir sollten uns mit diesem Widerstand solidarisieren. Aber machen wir uns nichts vor: sie werden weiter machen, wenn wir uns nicht wehren. Unser Kampf gegen gegen Rückständigkeit und Borniertheit, für eine friedliche, humane, gerechte und kinderfreundliche Gesellschaft muss weiter gehen.

So skeptisch ich diese Entwicklungen aus der Perspektive meines Alters sehe, so zufrieden und ausgeglichen bin ich in meiner eigenen Beziehung mit meinem alten Partner. Wir haben manche verdeckte und offene Schwulenfeindlichkeit gemeinsam durchgestanden und uns unser eigenes Leben und unsere eigene beschränkte Freiheit erkämpft. Und wir haben nicht nur für uns gekämpft, sondern uns auch als Lehrer dafür eingesetzt, dass homosexuelle und transsexuelle Kinder und Jugendliche sich frei von Diskriminierung und Anfeindung entwickeln konnten. Und wir haben uns unser Leben lang in sozialen und friedensbewegten Aktivitäten engagiert. Erst das gibt mir ein wenig Hoffnung, dass eine wahrhafte Einbindung von Schwulen. Lesben, von Menschen mit anderen Sexualitäten und vor allem von Kindern in eine humane Mehrheitsgesellschaft möglich ist.